Buchstaben in Kindergarten und Vorschule mit Montessori-Material lernen

Wann sollte mein Kind Buchstaben lernen?

Bei jedem Kind stellt sich i.d.R. ab einem bestimmten Zeitpunkt von selbst ein großes Interesse für Buchstaben und Wörter (eigenen Namen schreiben z.B.) ein. Ganz grob gesagt in etwa um den 4. Geburtstag herum (das kann bei einigen Kindern aber auch wesentlich früher und bei anderen wesentlich später der Fall sein). Bei jedem Kind ist die sensible Phase hierfür individuell und jedes Kind gibt selbst vor, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist. Dann entsteht ganz von selbst ein starkes Interesse, sich die Welt der Buchstaben und Wörter zu erschließen. Meist beginnt es damit, dass das Kind danach fragt, wie dieser oder jener Buchstabe heißt oder fragt nach, ob es richtig liegt, wenn es einen Buchstaben wiedererkennt („Das ist doch ein A, oder?“) - dann einfach die Fragen des Kindes beantworten und evtl. Lernspiele zu den Buchstaben anbieten.

 

Wie lernen Kinder Buchstaben?

Durch Hören und Nachsprechen

Wenn beim Kind die sensible Phase beginnt, sich also das Zeitfenster für's Buchstaben-Lernen öffnet, wird es immer wieder danach fragen, wie dieser oder jener Buchstabe denn heißt. Das Kind bekommt den Buchstaben genannt („Das ist ein E“) und wird ihn in der Regel sofort nachsprechen wollen („Aha, ein E“).

 

Durch Anfassen und Fühlen

Da man am besten lern, wenn möglichst viele unterschiedliche Sinne miteinbezogen werden, darf der Tastsinn hier natürlich nicht fehlen! Die Buchstabenform prägt sich viel schneller und leichter ein, wenn man ihre Form erfühlen und mit den Fingern nachfahren kann. Das geht sehr gut mit Buchstaben aus Holz oder Kunststoff und den Sandpapierbuchstaben.

 

Durch Verknüpfung

Durch die Verknüpfung von Buchstabe und Gegenstand mit entsprechendem Anfangsbuchstaben (z.B. E – Elefant, S – Sonne). Hier kann man z.B. die Holz-Buchstaben und einige dazu passende Gegenstände in ein Körbchen geben, die dann vom Kind einander zugeordnet werden. Gibt es noch eine Kontrollkarte dazu, mit einer Übersicht der Buchstaben und dazugehörigen Gegenstände, kann das Kind selbst kontrollieren, ob es die richtigen Paare gebildet hat.

 

Durch Wiedererkennung

Durch das Wiedererkennen von Buchstaben an Gebäudeaufschriften, Werbetafeln, Aufschriften auf Alltagsgegenständen.

 

Durch Nachschreiben

Durch das Nachschreiben der Buchstaben, auf Papier oder im Sand, prägt sich die Buchstabenform ein.

 

Wann muss mein Kind das ABC können?

Keine Sorge: das ABC ist noch immer Lerninhalt der ersten Klasse. Somit ist es auch KEINE Voraussetzung für die Schulfähigkeit eines Kindes, dass das komplette ABC schon im Kindergarten beherrscht wird! Die Kinder einfach mal machen lassen und unterstützen, wenn sie Interesse für Buchstaben zeigen, aber eben nicht dazu drängen.

 

Wie lernen Kinder Buchstaben schreiben?

Durch intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen der Buchstaben. Am besten sehr anschaulich durch ertasten und nachfahren können (bewegliches Alphabet, Sandpapierbuchstaben) – durch das Ertasten prägt sich die Buchstabenform ein, durch das Nachfahren der Sandpapierbuchstaben wird die (Schreib-)Bewegung im motorischen Gedächtnis abgespeichert. Vorausgegangene Schwungübungen und die Arbeit mit den Metallenen Einsatzfiguren helfen dabei, die Bögen und Geraden der Buchstaben richtig zu formen. Dann steht ersten Schreibversuchen auf Papier, im Sand oder auf einer Tafel (z.B. Kreidetafel oder Zaubertafel) nichts mehr im Weg!

 

Was soll mein Kind schon im Kindergarten schreiben können?

Das Interesse dafür Namen zu schreiben oder Wörter abzuschreiben kommt früher oder später bei jedem Kind. Vorgaben, dass und welche Wörter Kinder beherrschen müssen gibt es nicht. Allerdings lässt sich beobachten, dass viele Kinder beispielsweise einige der folgenden Wörter auch schon vor Schulbeginn schreiben können:

  • eigener Name
  • Mama
  • Papa
  • Oma
  • Opa
  • Namen von Familienmitgliedern
  • Wörter abschreiben von Vorlagen

 

Tipps und Tricks, um Buchstaben in Kindergarten und Vorschule leicht zu vermitteln!

  • ABC-Kekse backen mit Buchstaben-Keksausstechern
  • Buchstaben-Fühlen: z.B. mit Buchstaben aus Holz oder Kunststoff oder mit den Buchstaben des beweglichen Alphabets – Kind bekommt Augen verbunden und einen Buchstaben in die Hand, den es dann durch Ertasten erraten soll
  • Ausprobieren lassen (erstes Aneinanderreihen von Buchstaben zu Wörtern, z.B. Ku für Kuh, Tir für Tier) entweder mit Papier und Stift, mit beweglichem Alphabet oder z.B. mit Buchstaben-Stempeln
  • Buchstaben aus Knete oder lufttrocknender Modelliermasse formen
  • Buchstaben aus der Tageszeitung ausschneiden, zu Wörtern oder evtl. ganzen Sätzen legen und auf ein Blatt kleben
  • Wörter abschreiben (aus Prospekten, z.B. von Wasser- oder Saftflaschen, von der Müslipackung, wenn Kinder gerne etwas vorgeschrieben haben wollen, z.B. den Text für eine selbst gebastelte Glückwunschkarte)
  • Buchstaben-Suchspiel à la Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst: z.B. Ich sehe ein großes, grünes M (z.B. im Namens-Schriftzug eines Restaurants), Ich sehe ein blaues L (z.B. auf der Eis-Tafel am Kiosk)